„Schule in der Werkstatt“ – ein Angebot für Schulverweigernde

Jugendliche beteiligen sich mit selbst hergestellten Holzbänken am Augsburger Friedensfest
Mit Methoden der Kunst- und Werkpädagogik können sich die Schulverweigernden der „Schule in der Werkstatt" als leistungsfähig erleben. Schüler Marvin Feriz (links) probiert sich mit Hilfe des KJF Mitarbeiters und Künstlers Gerhard Fauser an der Schleifmaschine. Foto: KJF Augsburg / Christina Bauer
27. Juli 2022

Zusammen Halt machen: Für die Friedensrallye im Rahmen des Augsburger Friedensfestes haben Schülerinnen und Schüler der „Schule in der Werkstatt“ Holzbänke hergestellt und in der Augsburger Innenstadt aufgestellt. Die Bänke sehen nicht nur gut aus, sie bilden auch ein Stationenspiel für die Augsburger Stadtgesellschaft.

Die „Schule in der Werkstatt“ ist ein besonderes Angebot für Schulverweigernde. Sie gehört zum Frère-Roger-Kinderzentrum und damit zur Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Augsburg e. V. (KJF Augsburg). Hier werden junge Menschen, deren Beschulung gefährdet ist oder die schwer zu beschulen sind, durch individuelle und handlungsorientierte Maßnahmen unterstützt und vorbereitet auf die langfristige Rückkehr in ihre Regelklasse. Die KJF Mitarbeitenden arbeiten dabei eng mit den Lehrkräften im Team zusammen.

Die Sozialpädagogische Maßnahme hat klare Strukturen. Sie bietet sowohl Raum für die Arbeit mit unterschiedlichen Materialien wie Holz, Filz oder Ton als auch für intensive Gespräche. Damit sich die jungen Menschen mit Schulschwierigkeiten als leistungsfähig erleben können, werden Methoden der intensiven Erziehungsberatung sowie der Kunst- und Werkpädagogik eingesetzt. „Es ist schön zu beobachten, wie sich die Jugendlichen hier in der Werkstatt handwerklich und kreativ erproben“, sagt Künstler Gerhard Fauser, der in der „Schule in der Werkstatt“ mit den Jungen und Mädchen arbeitet. „Durch die Erfahrung eigener Talente erhalten die Jugendlichen die Motivation, die sie für die Bewältigung des Schulalltags benötigen.“ Zusätzlich werden erlebnispädagogische Einheiten wie Mountainbiking oder Wassersport (z. B. Kajakfahren) eingesetzt. Mit zunehmendem persönlichen Erfolg verlagert sich der Aufenthalt von der „Schule in Werkstatt“ zurück in ihre ursprüngliche Klasse.

Aktion „Sitzbänke für den Zusammenhalt" zum Augsburger Friedensfest
Zur Förderung der Selbstwirksamkeit der Jugendlichen beteiligt sich das Sozialprojekt regelmäßig an öffentlichen Aktionen wie dem Augsburger Friedensfest. Bereits zum zehnten Mal in Folge arbeitet das Friedensbüro der Stadt Augsburg mit der „Schule in der Werkstatt“ zusammen. Und auch in diesem Jahr führen die Teilnehmenden des Sozialprojekts ihre Tradition einer Friedensrallye anlässlich des Friedensfestes fort. Passend zum diesjährigen Motto „Zusammenhalt“ haben die Jugendlichen Sitzbänke aus Holz hergestellt und in verschiedenen Sprachen beschriftet. Um welche Sprachen es sich handelt, sollen die Teilnehmenden der Rallye gemeinsam erraten. „Durch die öffentliche Aufmerksamkeit erfahren die Klientinnen und Klienten Anerkennung von anderen. Das macht die jungen Menschen stolz und glücklich zugleich“, so Fauser.

 

Über die „Schule in der Werkstatt" und das Frère-Roger-Kinderzentrum

Die „Schule in der Werkstatt“ des Frère-Roger-Kinderzentrums, das zur Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Augsburg e. V. (KJF Augsburg) gehört, ist ein gemeinsames Angebot der KJF Kinder- und Jugendhilfe sowie der Augsburger Mittelschulen im Sozialraum Nord-West. Das Angebot wurde 2005 eingeführt und unterstützt seither Schülerinnen und Schüler bei der Rückkehr in den Schulalltag. Jährlich stehen zehn Plätze für Schülerinnen und Schüler der fünften bis neunten Klasse zur Verfügung.

Das Frère-Roger-Kinderzentrum ist die vielfältigste und größte Kinder- und Jugendhilfe-Einrichtung in Stadt und Landkreis Augsburg. Knapp 600 Mitarbeitende kümmern sich um Kinder, Jugendliche sowie junge Erwachsene mit Verhaltensauffälligkeiten, Entwicklungsstörungen und psychischen Störungen. Rund 350 Kinder und Jugendliche leben in den therapeutischen und heilpädagogischen Wohngruppen oder besuchen die zahlreichen Tagesstätten. Darüber hinaus werden rund 200 Familien ambulant betreut. Mit Angeboten an Schulen sowie in der offenen Jugendarbeit erreichen die Mitarbeitenden tausende weitere Kinder und Jugendliche in der Region. Besonders spezialisiert ist das Frère-Roger-Kinderzentrum in den Bereichen Autismus, Trauma und Bindungsstörungen, sexuelle Grenzverletzungen sowie Essstörungen.