„Über Krieg sprechen? Das macht Kindern doch nur Angst“, denken viele Eltern. Dabei ist genau die Angst ein Grund, es dennoch zu tun.
Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter kriegen meist mehr mit, als Eltern lieb ist, gerade in den derzeit krisenhaften Zeiten: Sie hören Gespräche von Erwachsenen mit, schnappen Nachrichten auf oder werden im digitalen Raum mit Bildern und Videos konfrontiert. All das ohne Kontext. Die Lücken füllen viele Kinder dann mit Fantasie und dramatischen Szenarien. Das erzeugt Unbehagen, Verunsicherung und Angst. Mit altersgerechten Gesprächen können Eltern den Kindern Angst nehmen. Über Weltgeschehen zu sprechen, fördert außerdem die kindliche Entwicklung von Empathie und das Demokratieverständnis. Gleichzeitig gilt: Gespräche über Krieg können Kinder auch verunsichern. Entscheidend ist das 'Wie'. Gerade bei Themen, die Eltern selbst belasten oder schwer verständlich sind, ist das eine Herausforderung.
Artur Geis von der Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung Landkreis Günzburg der KJF Soziale Angebote Nordschwaben betont: „Leider geben Erwachsene unangenehmen Gefühlen oft keinen Platz und lenken ab oder bagatellisieren. Dabei ist es wichtig, die Gefühle der Kinder wahrzunehmen und zu benennen. Wenn wir die Kinder emotional coachen, fühlen sie sich verstanden und ernst genommen. Wir stärken Kinder, wenn wir sie dazu anregen und begleiten, selbst Lösungen im Umgang mit ihren Gefühlen zu finden.“
„Einerseits sollten Nachrichten über Krieg oder besorgniserregendes Weltgeschehen die Kinder nicht unnötig belasten, andererseits sind ihre Fragen wichtig und sie brauchen Antworten. Entscheidend ist, wie Eltern mit Kindern darüber sprechen“, sagt Kerstin Labitzke von der Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung Landkreis Neu-Ulm der KJF Soziale Angebote Nordschwaben. „Es kann helfen, miteinander über aufkommende Gefühle in Austausch zu gehen. Eltern sind ihren Kindern im Umgang mit Angst und Unsicherheit ein Vorbild“, so Kerstin Labitzke, die in der Beratungsstelle auch Traumaberatung anbietet. „Als Eltern zuzugeben, dass man selbst gerade keine Antwort hat, aber das Gefühl verstehen kann, gibt mehr Halt und Antwort, als man denkt.“ Wichtig ist, dass Kinder sich zuhause sicher fühlen und die weltlichen Themen zwar auftauchen, aber der Großteil des Lebens kindgerecht und so sorglos wie möglich gestaltet werden kann.
So sprechen Eltern altersgerecht über Krieg:
- Altersabhängig: Eltern dürfen auf ihr Gespür vertrauen, was ihr Kind bereits verstehen kann. Grundsätzlich gilt: ehrlich bleiben, ohne zu dramatisieren – und keine gewalttätigen Details schildern. Während bei Jugendlichen ethische Fragen sowie historische und geografische Einordnungen sinnvoll sind, brauchen jüngere Kinder Vergleiche aus ihrer Lebenswelt. Konflikte lassen sich etwa mit Streit im Kindergarten erklären. Bei älteren Kindern wird zudem Medienkompetenz wichtig: der Unterschied zwischen Fakten, Meinungen und Propaganda.
- Fortlaufend statt einmalig: Gespräche über Krieg, Politik und Weltgeschehen sollten kein einmaliger Vortrag sein, sondern ein fortlaufender Austausch. Kindernachrichten können dabei eine gute Grundlage bieten. Wenn Eltern gemeinsam mit ihren Kindern schauen, entstehen Raum für Fragen – und Eltern erkennen, was ihr Kind wirklich beschäftigt.
- Anlassbezogen: Alltägliche Situationen können Gesprächsanlässe sein, etwa wenn Kinder Krieg spielen. Solche Spiele zeigen, dass das Thema bei den Kindern präsent ist. Eltern können dann erklären, dass Krieg im Spiel zwar spannend erscheint, in der Realität aber gefährlich ist und Leid verursacht.
- Empathisch: Gefühle der Kinder sollten ernst genommen und benannt werden. Gleichzeitig ist es wichtig, Kinder nicht mit den eigenen Sorgen zu überfordern oder zu belasten.
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An über 25 Orten in Schwaben, im Allgäu und im Bayerischen Oberland helfen die Erziehungs-, Jugend- und Familienberaterinnen und -berater der KJF Augsburg bei allen Fragen rund um Erziehung und Familienalltag unkompliziert und kostenfrei weiter. Sie unterliegen der Schweigepflicht.
KJF Soziale Angebote Nordschwaben
Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung Landkreis Günzburg
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KJF Soziale Angebote Nordschwaben
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Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung der KJF Augsburg
Im Regierungsbezirk Schwaben bietet die Katholische Jugendfürsorge der Diözese Augsburg e. V. (KJF Augsburg) fast flächendeckend Erziehungs-, Jugend- und Familienberatungen an. Auch im angrenzenden Bezirk Oberbayern sind die Beraterinnen und Berater im Landkreis Weilheim-Schongau präsent. Aktuell sind die Fachberaterinnen und -berater der KJF Augsburg jährlich mit rund 18.000 Personen im direkten Beratungskontakt.
Besondere Beratungen wie Schreibabyberatung oder „Kinder im Blick“-Kurse für Elternteile in Trennung gehören in zahlreichen Landkreisen zum Angebot – über klassische Erziehungsberatung hinaus. In fünf Landkreisen gibt es explizit eine Fachstelle gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen.
Alle Standorte und Ansprechpersonen der Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung der KJF Augsburg finden Sie auf der Website der KJF Kinder- und Jugendhilfe.